Katalog

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Was macht man aus Katalogen von Kunstmessen? Zum Beispiel das:


Material: Katalog der Stroke Art Fair 2014

Die Karwoche 2014

Der nachgelieferte Karwochenkalender von psyfessional. Der Autor ist zwar zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (dem letzten Kartag!) im Ostergottesdienst, der durch intelligente Verlegung durch die örtliche Amtskirche nun die absurde Version Lichtfeier ist, die im Dunkeln beginnt und auch im Dunklen endet. Dennoch wünscht er den Lesern noch bis zum Sonnenaufgang eine schöne Karwoche und danch frohe Osterfeiertage.

Zum Montag:
Karona, die: Hauptinsignie des Häuptlings der Tiuni, eines Stammes von Gasriesen, die es in der Vergangenheit immer geschafft haben – obwohl sie allgemein in karger Umgebung existieren und sich außergewöhnlich einseitig ernähren –, riesige Massen an Reichtum anzuhäufen, den sie selbst nicht verwenden können oder wollen und mehr oder minder freiwillig an andere abgeben. Die K., die fast ausschließlich aus Amsalp besteht, ist ein zentrales Symbol für Reichtum und Wohlstand, aber auch für das Teilen, einer zentralen Tugend der Tiuni, die in ihrem Wertesystem untrennbar mit den ersten beiden verknüpft ist. Um ihren strahlenden Glanz in die Welt hinaus zu bringen, darf dementsprechend die mit charakteristischen Serien von Linien (in der Stammessprache Refohnuarf genannt) verzierte Preziose niemals ins Innere der Ulgi genannten Häuser gebracht werden. Es obliegt vielmehr dem Häuptling, sie rund um die Uhr zu tragen. Um dadurch bei Außenstehenden nicht allzu große Begehrlichkeiten zu wecken, entwarf der Stammvater Omikse ein vom Kragen aufwärts reichendes Gewandteil, den Ezupak das bei Bedarf die K. bedecken kann. Kleidungsstücke nach diesem Vorbild haben sich in viele Regionen der Erde verbreitet, wo sie allerdings meist verkehrtherum getragen werden. Auch der Name hat sich meist verdreht.

Zum Dienstag:
Karsha (Person): Gottheit eines mystischen Kultes des frühen 21. Jahrhunderts. Obwohl die Quellenlage sehr dünn ist, so scheint doch gesichert, dass Karsha eine Universalgottheit für alle Bereiche des damaligen Lebens war. Sie symbolisierte gleichzeitig Ökologie und Individualität, stand aber auch für ökonomischen Sachverstand. In überlieferten Dokumenten wird Karsha mit Kekskrümeln, Reifendruck, Vogelkot, Katzenstreu, Federkernmatratzen und vielem mehr in Verbindung gebracht, was den Diskurs über den eigentlichen mystischen Inhalt des Kultes bis heute befeuert. Unumstritten ist unter Fachleuten lediglich, dass sich die Menschen zur Ausübung des Kultes in mehr oder weniger großen, regionalen und überregionalen Zirkeln organisierten. Der Ritus selbst wurde zwar individuell durchgeführt, die dafür nötige Weihe konnte hingegen nur durch beitritt zu einem solchen Karsha-Ring erlangt werden.

Zum Mittwoch:
Kartastrophe, das: Moment des Zweifels, ob eine begonnene Aufgabe beendet werden kann. Das Gefühl bezeichnet dabei ausschließlich eine schwache Form von Versagensangst, eine an sich beendete Aufgabe aus äußeren Gründen nicht weiterführen zu können. Gängige Situationen für das Auftreten von Kartastrophen sind beispielsweise die Bearbeitung der letzten Seite eines Sudoku-Heftes, das Entnehmen des letzten Geschirrteils aus einer gelaufenen Spülmaschine, die Suche nach Wörtern, die man in seinem selbstverfassten Wörterbuch noch nicht beschrieben hat.

Zum Donnerstag:
Grünbelln, das: Technik zum Abbau psychologischer Spannungen oder zur Vermeidung von Kartastrophen. Die Methode basiert auf Lösung geistiger Blockaden durch Nichtbearbeitung. Stattdessen begibt sich eine grünbellnde Person in die freie Natur oder öffentliche Grünanlagen, um dort ziellos umherzugehen. Vom Erfinder dieser Technik, Vicco Grünbell wird berichtet, er hätte die Technik der Nichtbefassung und geistigen Ziellosigkeit so perfektioniert gehabt, dass man ihn jeweils vor der Veröffentlichung seiner größeren Forschungsarbeiten nachmittagelang durch den Stadtpark spazieren sah. Dabei hatte er sich geistig so weit befreit, dass sich bisweilen vollkommen impulsiv mit den Hunden anderer Parkbesucher um deren geworfene Bälle und Stöckchen stritt.

Zum Freitag:
Karte, Allah (stummes ‘e’): Ritualisierter Ablauf touristischer Tischgesellschaften, von denen man sich kein Bild machen kann. Bei den Personen handelt es sich um Zugereiste in einem bayerischen Biergarten; politisch korrekt muss man sie wohl Preussen nennen. Die Einsetzungsworte “Wir möchten bitte bestellen. Allah Karte!” leiten das Ritual ein, das anschließend viel Geduld vom Kellner und ein großes Maß an Zurückhaltung von den umsitzenden Einheimischen erfordert; der Ritus schreibt nämlich vor, dass trotz entsprechender Ankündigung das Studium der Speisenauswahl erst in Anwesenheit des Kellners beginnt. Die Gesellschaft fängt dann wie im Chor an, belangloses zu plappern, um den mitgebrachten Dialekt erschöpfend zum Klingen zu bringen. “Ein schöner Schirmgarten ist das hier. Da müssen wir am Abend mal kommen. Ich nehme bitte die Surenhaxe und zum trinken so ein Halbes.” … Wenn die Gruppe dann gegangen ist, rufen die Wirtsleute im Stoßgebet die Santa Maria delle Grazie an und freuen sich: abends gibts nur Buffet.

Gruppe von Stammgästen in der Weinstube

Gruppe von Stammgästen in der Weinstube beim Buffetabend (Foto: Andi, in keiner Weise verbunden mit einer Warnbake)

Zum Samstag:
Karel (Gott): Gesangs- und Blütengottheit eines antiken Andenvolkes. Und dieses Völkchen, das ich meine, nennt sich Maya. Als Gott der Blütenpflanzen war er in deren Glaubenssystem für Vermehrung und Fruchtbarkeit zuständig. In Pragchu Picchu wurde ihm ein großer Altar aus schwarzem Onyx-Stein gebaut, der mit regelmäßigen Streifen aus Gold verziert war und der eine Art Pollenkalender zeigte. Dieser endet mit dem Jahr “Willi” (nach moderner Zeitrechnung 2012). Fälschlicherweise wurde dieses als Prophezeiung eines Weltendes mißdeutet, welches dann jedoch nicht eintrat. Zur Eigenschaft des Gesangsgottes kam K. vermutlich durch die Assoziation des Summens der Bienen auf blühenden Wiesen mit dem Summen der menschlichen Stimme. Nicht zu verwechseln ist K. mit Carell, einem singenden Liebesgott, den die Maya als “aus einem Land unter dem Meer” stammend bezeichneten und dem das Schicksal zugeschrieben war, nachdem er viele Jahre Wände eingerissen hatte, um Liebespaare zu verbinden, seinen Lebensabend als siebenköpfiger Humork mit dem Busse wieder zurück in die Unterwelt zu fahren.

Wenn die Blätter reif sind

Wenn die Blätter reif sind,Herbst
verlieren sie die grüne Farbe,
werden von Schwerkraft und Herbstwind
von den Zweigen zu Boden getragen

und warten dort als Fallobst –
nein Fallsalat – darauf, dass
jemand sie verspeist.

Schon werden sie mit Gabeln
und Bläsern zum Buffet drapiert.
Schön sieht es aus, wie es wartet
unser Laub. Doch nichts passiert.

Nur ein Igel gräbt sich
in die reifen Blätter,
damit er nicht vereist.

September-Collage

Zum Beginn des neuen Monats präsentieren wir euch heute eine kleine Collage:
September-Collage


Creative Commons Lizenzvertrag
September-Collage von Tobias Wichtrey steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Unported Lizenz. Collage besteht aus Bildern von Wolfgang Sauber, Bene16, Little Mermaid (Mahender G), Sirene Belek Hotel, Frédéric Bisson, Kattbice, D. Sharon Pruitt, Ejdzej, Kozuch, corncob82, Bob Jagendorf, tangi bertin, Martin SoulStealer, Robert Thivierge und Jack French.