Zwischen alten und neuen Göttern

zwischen alten und neuen göttern img
Ach, welch ein Spaß, welch eine Heiterkeit, als Hendrix dem Orpheus seine Gitarre leiht, während Elvis mit
Hathor torkelnd die Bühne erklimmt, und ein alt-sumerisches Trinklied anstimmt. Ich höre
Bacchus und Chaplin lachen, während Loki und Loriot Faxen machen, recke den Kopf
zu Leonardo nach oben und sehe ihn mit Lilienthal neue Fluggefährte erproben.
In der Ecke stehen Vesta und Mutter Theresa, sie betrachten die Tumulte
mit Grauen, daneben die greisen Platon und Einstein heben nur
grinsend die Augenbrauen. Und ehe man es sich versieht
reiten Che Guevara und El Cid auf einer riesigen Katze
einmal quer über den Platze. Ach, welche Heiterkeit,
hier, im Tempel der Zeit.

Sternensterben

Sternensterben, Elfensang.
Elfen sangen von dem Klang,
den ein Stern beim Sterben tut,
ein Stern, der nun in Frieden ruht.

Elfensterben, Sternenstaub.
Müde fällt das welke Laub,
der letzten Wälder dieser Welt.
Nur noch das Lied die Welt erhellt.

(irgendwann vor 2001, überarbeitet 2007)

Was man nicht alles seit mindestens 11 Jahren in der Schublade liegen hat…
Aber “… tut, … ruht”. Vielleicht fällt mir da noch was besseres ein. Außerdem sollte das, glaube ich, ursprünglich mal noch mehr Verse haben.

Was ist Kunst?

Aus dem Wörterbuch des Teufels habe ich ja kürzlich schon zitiert. Heute möchte ich ohne großen Kommentar den Eintrag zu Kunst zitieren. In der deutschen Übersetzung ist leider das Gedicht nicht übertragen worden, deswegen zitiere ich hier das Original, das im übrigen hier vollständig und kostenlos verfügbar ist.

Art, n. This word has no definition. Its origin is related as follows by the ingenious Father Gassalasca Jape, S.J.

One day a wag—what would the wretch be at?—
Shifted a letter of the cipher RAT,
And said it was a god’s name! Straight arose
Fantastic priests and postulants (with shows,
And mysteries, and mummeries, and hymns,
And disputations dire that lamed their limbs)
To serve his temple and maintain the fires,
Expound the law, manipulate the wires.
Amazed, the populace that rites attend,
Believe whate’er they cannot comprehend,
And, inly edified to learn that two
Half-hairs joined so and so (as Art can do)
Have sweeter values and a grace more fit
Than Nature’s hairs that never have been split,
Bring cates and wines for sacrificial feasts,
And sell their garments to support the priests.

(Ambrose Bierce, The Devil’s Dictionary)

Ode an den Stöckelschuh

Oh du schlimmer Stöckelschuh,
lässt mir einfach keine Ruh,
du klackerst über den Asphalt,
so dass jeder Schritt gar furchtbar knallt!
Ja, Absätze sind genauso schlecht,
sie hämmern wie ein kranker Specht.
Wenn ich durch die Straßen geh
und dich an Frauenbeinen seh,
betracht ich diese Trampeltiere:
“Schau nur wie ich rumstolziere!”
- denkt sie wohl bei meinem Blick,
doch warte ich nur auf den Knick,
mit dem sie stolz zu Boden rasselt
und sich ihre Show vermasselt.
Da liegt sie dann, samt Stöckelschuh,
und ich hab endlich meine Ruh.
Drum hört ihr Frauen dieser Welt:
Spart an Stöckelschuhen euer Geld!

(21.05.2007)

Der Pinsel

Es lag ein Pinsel
auf einer Insel
draußen im Meer -
und ich weiß nicht mehr wer
hat ihn gefunden
und sich über Stunden
gefragt
woran es denn lag
dass dieser Pinsel
auf dieser Insel
draußen im Meer
fernab vom Bootsverkehr
wie von Geisterhand -
verschwand.

 

(12.1.10 – Tribute to Ringelnatz)